
„Anhang 7, Abschnitt 3.2, Absatz b)…“ Andrea K. scrollt durch ein PDF, das gefühlt mehr Fussnoten hat als eigentlichen Inhalt. Regulatorische Vorgaben, Normen, Compliance-Anforderungen – und irgendwo dazwischen: das, was der Kunde eigentlich braucht. Im regulierten Umfeld fühlt sich RE oft an wie Extremsport: Ein falsches Wort in der Spezifikation: das Audit-Team bläst zum Halali und hält von der Arbeit ab. Wie schreibt man Requirements, die sowohl die Norm erfüllen als auch dem Kunden nützen? Wo endet die notwendige Strenge – und wo beginnt die Innovation? Andrea K. freut sich darauf an der nächsten Bärner Requirements Night mehr darüber zu hören.
Agenda
17:37
18:00 – 19:30
Ab 19:30
Türöffnung
Beginn der Vorträge
Apéro riche ..
Vorträge
QuickZoll – Wie aus einer einfachen Idee ein digitaler Grenzübertritt wurde
Wie entsteht aus einer scheinbar einfachen Idee ein digitaler Service, den heute täglich tausende Menschen nutzen? Norbert Zurwerra und Martin Schwab zeigen an der Bärner Requirements Night die Entstehungsgeschichte von QuickZoll — von der ersten Frage bis zur produktiven Lösung im sicherheitsrelevanten Bundesumfeld. Dabei wird deutlich, dass die grössten Herausforderungen nicht primär technischer Natur waren, sondern in regulatorischen Vorgaben, bestehenden Prozessen und dem Zusammenspiel unterschiedlichster Stakeholder lagen.
QuickZoll steht exemplarisch für eine neue Art der Verwaltungsdigitalisierung: konsequent nutzerzentriert, pragmatisch und digital gedacht. Die Session gibt einen ehrlichen Einblick in Spannungsfelder zwischen Fach, IT, Governance und Betrieb sowie in die Frage, wie Innovation innerhalb bestehender Strukturen überhaupt möglich wird. Besucherinnen und Besucher erhalten praxisnahe Erkenntnisse darüber, warum erfolgreiche Digitalisierung mehr bedeutet als elektronische Formulare — und weshalb einfache Lösungen oft die schwierigsten sind.
Kompromiss(los?) – Anforderungen an Identität und Authentisierung in der Bundesverwaltung
Identität und Authentisierung sind zentrale Bausteine der digitalen Verwaltung. Wer in der Bundesverwaltung Anforderungen an Lösungen wie eIAM oder AGOV formuliert, bewegt sich jedoch selten in einem rein technischen Umfeld.
Wie entstehen also Anforderungen im Spannungsfeld zwischen Recht, Politik, Wirtschaftlichkeit und Benutzerfreundlichkeit?
Anhand konkreter Beispiele zeigt Tobin Felder auf, wo Kompromisse möglich sind, wo sie gefährlich werden und weshalb vermeintlich einfache Entscheidungen häufig komplexe Abwägungen erfordern. Denn nicht jeder Kompromiss ist ein guter Kompromiss – oft entstehen Lösungen, die auf den ersten Blick ausgewogen wirken, in der Praxis aber Nachteile mehrerer Ansätze kombinieren, ohne deren Vorteile zu realisieren. Verbindliche strategische Leitplanken und klare Entscheidungshierarchien sind entscheidend, um Anforderungen zu formulieren, die sowohl den Vorgaben entsprechen als auch langfristig tragfähige Lösungen ermöglichen.
Wie muss die RE-Arbeit in regulierten Vorhaben organisiert sein?
Regulierte Vorhaben erfordern ein systematisches Requirements Engineering. Nichts Neues. In diesem interaktiven Vortrag beleuchten wir mit David Berger, welche Faktoren die Organisation deiner RE-Arbeit beeinflussen:
- Lifecycle des Produktes: Neues Produkt oder Weiterentwicklung
- Organisation: Projektbasiertes oder produktbasiertes Vorgehen?
- 5er-Potenz der Stammorganisation: Wie gross und komplex ist die Organisation?
- Regulator: Wo und für wen entwickeln wir?
Wir werden diese Faktoren vermengen und die RE-Arbeit davon ableiten. Wir werden Muster bilden, Thesen testen – und zum Nachbauen inspirieren.
Der Vortrag findet auf einem öffentlich zugänglichen Miro statt. Frames können entstehen, sich verschieben und verändern.
Referenten

Norbert Zurwerra, Chef Digitale Services und CIO beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG (ehem. Eidgenössische Zollverwaltung), arbeitet seit knapp 40 Jahren für den Bund respektive Bundesbetriebe. 2006 startete er bei der Schweizerischen Post als Leiter Projektmanagement und besetzte beim Staatsbetrieb verschiedene Positionen bis hin zum Leiter der Abteilung Software-Entwicklung und Mitglied der GL IT Post. 2016 wechselte er zum BAZG in die Rolle des CIO und übernahm im Frühjahr 2025 zusätzlich die Verantwortung für Digitale Services beim Bundesamt. Bis heute bezeichnet er das Projektgeschäft als seine wichtigste berufliche Leidenschaft. Der 57-jährige gebürtige Walliser lebt in der Region Bern.

Martin Schwab ist beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG im Bereich Digitale Services für Unternehmensarchitektur, Informationssicherheit, Datenschutz und Cyber Security verantwortlich. Sein Schwerpunkt liegt bei Themen rund um moderne Software-Architekturen, Agile Delivery sowie dem Einsatz von KI-Werkzeugen im Bundesumfeld. Zuvor war er in verschiedenen Rollen an der Umsetzung und Modernisierung komplexer Fachanwendungen und Plattformen beteiligt. Der gebürtige Berner lebt in der Stadt Bern.

Tobin Felder ist Teil des AGOV-Think-Tanks und bearbeitet im Auftrag der BK-DTI strategische und operative Fragestellungen im Bereich IAM. Sein Fokus liegt bei der Anforderungserhebung für Bundes- und Schweizweite Lösungen, im Kontext derer zahlreiche Abhängigkeiten und Interessensgemeinschaften berücksichtigt werden müssen. Weitere Tätigkeiten involvieren strategisches Lieferantenmanagement, Projektreviews, BCM und gelegentliche Softwareentwicklung.

David Berger von der dot consulting AG ist als Berater in unterschiedlichen Kontexten unterwegs. Er bevorzugt wissensintensive R&D-Organisationen, wo unterschiedliche Disziplinen und Kulturen zusammen an einem Projekt werken. Er begleitet auch kleinere Unternehmen hin zu einer erfolgreichen 5er-Skalierung. Ihn bewegt: wie viel Organisation ist gut genug. Seine zweite Leidenschaft ist die Organisation der RE-Arbeit als Schlüsseldisziplin, insbesondere wegen KI. Er ist mit Bern beruflich wie auch privat verbunden, obwohl er nicht hier lebt.
Location
Diesmal wieder bei der BFH im Marzili
Berner Fachhochschule, Brückenstrasse 73, 3005 Bern
Sponsoren
Diese Requirementsnight wird unterstützt von unseren treuen Sponsoren:


